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Retouren im Fashion Bereich und warum das ein Problem ist

Hast du es genauso erlebt wie ich? Draußen regnet es und ich sitze da mit einer Tasse heißem Kaffee auf dem Sofa und stöbere im Internet. Nur wenige Klicks entfernt ist der nächste Online-Shop, der eine überwältigende Auswahl an Waren bietet. Also bestelle ich, was mir so gefällt, in zwei verschiedenen Größen, drei Farben und  vier Ausführungen. Mal schauen, was ich dann behalte, die Rücksendung ist ja kein Problem und kostenlos. Aber wusstest du, dass das eben doch ein Problem ist nämlich eine Last für die Umwelt . Die Textilbranche gehört zu den größten Emittenten von CO₂; je nach Quelle und Berechnung verursacht sie 4-10% der weltweiten CO₂-Emissionen. Und als ob das nicht bereits genug Schaden bedeutet, verschlimmern unbedachte Retouren die Lage. Doch mit diesem Blogpost möchte ich dir kein schlechtes Gewissen machen, sondern zum Nachdenken anregen und auf den Einfluss, den unbedachte Retouren auf das Klima haben können, hinweisen. 

Was für Probleme Retouren mit sich bringen

Dass man aber damit der Umwelt schadet, denkt man vermutlich nicht. Denn wenn eine Bestellung an den Onlinehändler zurückgeht, verdoppelt sich das Transportaufkommen und so auch die transportbedingten CO2-Emissionen.

Ich weiß, du bist umweltbewusst und antwortest mir gleich, dass du preloved Kleidung bevorzugst. Das ändert aber nichts an der Sache, denn Second-Hand Kleidung ist nur dann nachhaltiger als neue, wenn sie nicht umfangreich retourniert wird.

Ich habe dabei eine Studie von Bamberger Forschern gelesen, die vom Handelsblatt zitiert wird. Dabei haben die Forscher herausgefunden, dass Rücksendungen im Online-Handel jährlich 238.000 Tonnen CO2 produzieren. Das sind umgerechnet 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau täglich! Wow!

Zusätzlich hat sich die Lage durch die COVID-19-Pandemie verschlimmert. Die Statistik zeigt dabei, dass die Retourenquote an sich zurückgegangen ist. Da aber das Volumen von Online-Bestellungen stark angewachsen ist, ist die absolute Zahl von Retouren damit höher als vorher.

Retouren Deutschland – muss man Tradition umdenken?

Katalog-Bestellungen haben in Deutschland eine lange Tradition. Schon bevor es Online-Handel gab, haben sich die Deutschen Kleidungsstücke, Möbel und alles Mögliche im Katalog ausgesucht und per Post zuschicken lassen. Nun, Menschen mögen es gerne einfach und das Internet bietet für diesen Zweck die bestmögliche Variante, einkaufen zu gehen. Einen Laden zu besuchen und in der Umkleidekabine erst alles ausziehen zu müssen geht nicht nur mir gelegentlich auf die Nerven. Ich kaufe nicht nur bequemer ein, sondern habe eine überwältigende Auswahl, die man sonst in keinem Geschäft findet. Deshalb bestellen wir alle viel online, und was uns nicht gefällt, schicken wir zurück. Wenn man da 30-Tage Rückgaberecht hat und alles zu Hause ausprobieren kann, warum das nicht ausnutzen?

Da wird man von vielen Fast Fashion Händlern sogar verführt, die Rückgabemöglichkeit zu missbrauchen. Man wählt sich gleich verschiedene Größen oder ähnliche Ausführungen von dem bevorzugten Kleidungsstück aus und bestellt sie alle zusammen. Wenn keine genaue Beschreibung vom Artikel vorliegt und Modehändler mit dem Slogan werben „Online bestellen und zu Hause ausprobieren“, kann man einfach nicht widerstehen, sich gleich drei schwarze Kleider in A-Linien zu beschaffen. Dass zwei davon den Weg zurück nehmen müssen, interessiert wohl keinen. Oder doch?

Alles, was man nicht haben will, wird zurückgeschickt

Du verstehst ja, lange kann sich so ein Kaufverhalten nicht fortsetzen. Im Handelsblatt habe ich gelesen, dass sich die Retourenquote verschiedener deutscher Online-Shops auf ganze 50 % berechnet. Und das bedeutet enorme Kosten für Retouren, da man erneut Versand und Transport organisieren muss. Neue Verpackungen müssen her und der zusätzliche Transport belastet das Klima. Dazu müssen Fashion-Unternehmen die zurückgesandte Ware auf Mängel überprüfen und für andere Kund:innen neu verpacken. So kriegt man gleich doppelt so viel Verpackungsmüll. Und das natürlich, wenn alles mit der Kleidung stimmt, was jedoch bei 70 % der Retouren nicht der Fall ist.

Vernichten ist leider manchmal günstiger

Wenn es sich um Neuware handelt, werden meistens nach einer Retour die Mode-Artikel entsorgt oder an Verwerter verkauft. Als A-Ware kann man retournierte Kleidungsstücke ja nicht verkaufen, da manche so stark beeinträchtigt sind, dass eine Aufbereitung zu kostspielig ist. Die Produkte verkauft man dann als B-Ware oder spendet man im besten Fall. Wenn das auch nicht mehr geht, entsorgt man einfach Kleider, denen man sonst neues Leben spenden könnte. Gerade bei Fast-Fashion Kleidung ist Recycling oft schwer, da die Stücke einen hohen Plastikanteil im Stoff haben, oder aufgehängte Applikationen besitzen, sodass man sie nicht recyclen kann. Und all das geht wieder zulasten der Natur.

Deshalb bevorzuge ich Fair-Fashion-Unternehmen, die sich bemühen mit allen möglichen Mitteln, Retouren zu vermeiden. Kund:innen werden über die schädlichen Folgen für die Umwelt aufgeklärt. Dazu versucht man gute Produktbeschreibungen bereitzustellen, um Passform und Größe so genau wie möglich zu vermitteln. Man ist auch bemüht, retournierte Kleider im Kreislauf zu behalten, indem man sie an Second-Hand Online-Shops liefert. Immerhin bedeutet das aber auch erneute Transporte, Checks und Verpackungen.

Retouren als Kaufeinstellung überdenken

Wenn dich meine Überlegungen hier nachdenklich gestimmt haben, ist das gut, vor allem für die Natur, die uns alle beherbergt. Gefällt dir der unverantwortliche Modetrend der Retouren, oder willst du das als Kund:in verhindern? Brauchst du ein Modestück wirklich und kannst du da lieber nicht genauer in der Artikel-Info nachschauen, damit du eine Rücksendung sparst? Verrate es uns in den Kommentaren!

Willst du mehr zum Thema Second Hand & Nachhaltigkeit erfahren, dann schau dir gerne unseren Second Hand Fashion Report an, bei dem wir anhand von Zahlen & Fakten zeigen, wie das derzeitige Kaufverhalten und die Einstellung zu Second Hand momentan ist. 

FAQ

Was ist mit Retouren gemeint?

Unter Retouren versteht man das Zurücksenden von Mode-Artikeln an Online-Händler wegen Mängel oder wenn Erwartungen mit dem aktuellen Kleidungsstück nicht übereinstimmen.

Schaden Retouren der Umwelt?

Retournierte Waren muss man wieder verpacken und transportieren. Und das bedeutet neue CO2-Emissionen.

Gibt es Alternativen zum Retournieren?

Genauere Informationen rund um das Produkt, verantwortliche Einstellung bei Kund:innen und sogar Einsatz von künstlicher Intelligenz, um Kundenbedürfnisse zu erkunden, sollen Retourenquoten senken.


¹https://unece.org/forestry/press/un-alliance-aims-put-fashion-path-sustainability

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